Wenn Pflege zu viel wird — woran erkenne ich meine Grenzen?
Kirsten Drechsler · 2026Es gibt Momente in der Pflege, die sich tief einbrennen.
Einen solchen Moment habe ich selbst erlebt — in meiner Zeit in der Betreuung von Menschen mit Demenz. Ein Patient wollte gewalttätig werden. Die Situation eskalierte. Und ich habe in diesem Moment etwas getan, das sich zunächst falsch angefühlt hat: Ich bin gegangen.
Ich habe die Situation verlassen. Habe tief durchgeatmet. Und bin dann wieder reingegangen.
Das war keine Schwäche. Das war eine der klügsten Entscheidungen die ich treffen konnte.
Warum wir unsere Grenzen so oft nicht merken
Das Problem ist nicht, dass Angehörige keine Grenzen haben. Das Problem ist, dass sie diese Grenzen so lange übersehen, bis der Körper selbst die Reißleine zieht.
Du schläfst schlecht — aber du denkst: das geht schon vorbei.
Du weinst öfter als sonst — aber du sagst dir: ich bin nur müde.
Du freust dich nicht mehr auf den Besuch — aber du machst trotzdem hin.
Das sind Signale. Und sie verdienen es, ernst genommen zu werden.
Körperliche Warnsignale
Dein Körper spricht immer — die Frage ist ob wir zuhören. Achte auf:
- Schlafprobleme oder ständige Erschöpfung
- Häufige Kopfschmerzen oder Verspannungen
- Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essen
- Das Gefühl körperlich leer zu sein
Emotionale Warnsignale
Manchmal zeigt nicht der Körper sondern die Seele als erstes die Grenzen:
- Du bist schneller gereizt als sonst
- Du fühlst dich zunehmend gleichgültig oder taub
- Du grübelst viel — vor allem nachts
- Du hast das Gefühl nie genug zu tun
- Schuldgefühle die nicht weggehen
Was tun wenn es zu viel wird
Dasselbe was ich in jenem schwierigen Moment getan habe: Rausgehen. Atmen. Kurz innehalten.
Raus aus dem Geschehen. An die Luft. Und mal atmen.
Das klingt simpel. Aber es ist eine der wirksamsten Maßnahmen die es gibt. Wenn du merkst: Es wird gerade zu viel — dann darfst du:
- Die Situation kurz verlassen
- Drei mal tief durchatmen
- Dir eine Minute nur für dich nehmen
- Jemanden anrufen der zuhört
Du musst nicht warten bis du zusammenbrichst. Du darfst dich schon vorher melden.
Für dich
Grenzen zu erkennen ist keine Schwäche — es ist Selbstkenntnis. Und Selbstkenntnis ist die Grundlage dafür, dass du langfristig für den Menschen da sein kannst, den du begleitest.
Wenn du merkst dass es gerade zu viel ist — ich bin da.
Du musst das nicht alleine tragen.
Meld dich einfach bei mir — ich nehme mir Zeit für dich.
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